Hausdurchsuchungen und Verhaftungen gg TierrechtsaktivistInnen
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Do Mai 22 10:34:47 CEST 2008
Presseaussendung der Rechtshilfe zur Verhaftungs- und Hausdurchsuchungswelle
Am 21. Mai 2008 stürmten WEGA-Beamte gegen ca.
7:00 Uhr mindestens 24 Wohnungen in Wien und
anderen Orten. Einige der teilweise noch
schlafenden BewohnerInnen wurden mit gezogenen
Waffen in ihren Betten geweckt. Betroffen von den
Hausdurchsuchungen waren mindestens achtzehn
Menschen in Österreich. Die meisten leben in Wien
und Graz, auch in Tirol wurde eine Wohnung
durchsucht.
Bei mehreren Wohnungen wurden die Türen von
Beamten der WEGA eingetreten. Wie in schlechten
Hollywood Filmen stürmten die Beamten die
Wohnungen. Erst nachdem die BewohnerInnen
eingeschüchtert, "gesichert" an die Wand gestellt
bzw mit Handschellen versehen wurden, machten
sich Beamte der Kriminalpolizei an die
Durchsuchungen.
Begründung für die Hausdurchsuchungen ist der
Vorwurf der Bildung einer kriminellen
Organisation gemäß §278a StGB. Gegen zwölf
Personen, bei denen Hausdurchsuchungen
stattgefunden haben, liegen Haftbefehle vor.
Begründet werden diese mit Verdunkelungsgefahr,
da die Betroffenen zb mit verschlüsselten Mails
kommuniziert haben sowie Tatbegehungsgefahr, weil
die Betroffenen seit langem in der
Tierrechtsszene aktiv sind. Beide
Argumentationsstränge stehen in eklatantem
Widerspruch zur Unschuldsvermutung. Vollkommen
willkürlich wird eine kriminelle Organisation
konstruiert, die für sämtliche unaufgeklärte
Straftaten der letzten Jahre verantwortlich
gemacht wird. Die Vorwürfe werden mit keinerlei
Beweisen bekräftigt, im Gegenteil: die Exekutive
erhofft sich scheinbar durch die
Hausdurchsuchungen Hinweise auf Bestätigung ihres
Tatverdachts. Dieser, dh die Bildung einer
kriminellen Organisation, kann bislang weder mit
Indizien noch sonstigen vagen Vermutungen
untermauert werden.
Die Betroffenen wurden aus ihrer Wohnungen direkt
in das Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände
überstellt und werden in den nächsten 48 Stunden
der Haftrichterin vorgeführt. Bei den
Hausdurchsuchungen wurde dem Großteil der
Betroffenen der Anruf bei einer Vertrauensperson
oder einer RechtsvertreterIn verwehrt. Auch
FreundInnen, die nach dem Rechten sehen wollten,
wurde ein Gespräch mit den Betroffenen verweigert.
Die Inhaftierten haben sich für Tierrechte
eingesetzt. Sie organisierten Demonstrationen und
Infostände in Fußgängerzonen. Diese völlig
legalen Aktivitäten werden ihnen ebenfalls als
Betätigung im Rahmen der "kriminellen
Vereinigung" angelastet. Das muss als ein Versuch
der Aushöhlung von Meinungs- und
Versammlungsfreiheit gewertet werden.
Die Verhältnismässigkeit der Amtshandlung war
nicht gegeben. Das frühmorgendliche Erstürmen von
Wohnungen durch vermummte WEGA-Beamte mit
gezogener Waffe muss als vollkommen überzogen
bezeichnet werden. Gesucht wurde nach allen
Gegenständen, die dazu dienlich sein können,
strafrechtlich relevante Delikte zu begehen.
Neben Computern, Handys, Uniskripten oder
Fotoalben wurden auch Kleidungsstücke
beschlagnahmt.
Gleichzeitig bleibt offen, was der konkrete
Anlass für diese Einsätze sein soll. Es gilt
anzunehmen, dass Zeitpunkt und Umsetzung dieser
Einsätze politische Hintergründe hat. Auf jeden
Fall wird missliebiger politischer Aktionismus
kriminalisiert und verunmöglicht.
Was der oder die einzelne von Tierschutz und
Tierrechten hält: Darum geht es hier recht wenig.
Sollte nämlich diese offensichtlich von oben
verordnete Repressionswelle nicht auf breite
öffentliche Ablehnung stossen, besteht die
Gefahr, daß jederzeit auch andere Bereiche einer
kritischen Zivilgesellschaft mundtod gemacht
werden. Durch den Polizeistiefel.
Pressekontakt: 0650 / 592 67 91 oder antirep2008 at gmx.at
Am Montag, 26. Mai 2008 um 10 Uhr wird eine
Pressekonferenz der Rechtshilfe im Grünen
Parlamentsclub (Wien I, Löwelstraße 12, 2. Stock)
stattfinden.